Thomas Keller arbeitete nachts in einer Backstube und versuchte tagsüber, trotzdem für seine Familie da zu sein. DER POTENZ-CODE greift seine Fragen nach männlicher Sexualität und Selbstwahrnehmung auf, während seine Geschichte von Erschöpfung, Vatersein und dem Mut zu eigenen Bedürfnissen erzählt.
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- Sexualität & Beziehungen
Biografie
Thomas Keller ist bei einer Kindergartenaufführung einmal im Sitzen eingeschlafen. Seine Tochter verzieh ihm das schnell; er selbst brauchte länger. Er hatte die Nacht zuvor in einer Backstube Teiglinge auf Bleche gesetzt und anschließend entschieden, dass ein paar Stunden Schlaf weniger schon gingen. Als er während des Applauses hochschreckte, war die wichtigste Szene vorbei. Lange verstand Thomas den Vorfall als mangelnde Disziplin. Später ärgerte ihn vor allem, wie selbstverständlich er die eigene Erschöpfung übergangen hatte.
Die Nachtarbeit begann in Wuppertal, wo Thomas als junger Mann zunächst beim Verpacken und später beim Vorbereiten in einer Bäckerei half. Er mochte den Geruch am frühen Morgen und das merkwürdige Gefühl, Feierabend zu haben, wenn andere losmussten. Nach der Geburt seiner Tochter zog die Familie nach Lippstadt. Thomas behielt zunächst ähnliche Schichten. Tagsüber übernahm er Einkäufe und Wege, abends wollte er noch am Familienleben teilnehmen. Dass nicht alles gleichzeitig ging, behandelte er lange wie eine schlecht gelöste Rechenaufgabe.
Nach der verpassten Aufführung suchte er gezielt Arbeit am Tag. Der Wechsel in die Verpackung eines Papierwarenbetriebs brachte weniger Zuschläge und ein kleineres Haushaltsbudget. Dafür konnte er regelmäßig mit seiner Tochter zu Abend essen. Thomas erinnert diese Zeit nicht als einfache Befreiung: Das Geld musste genauer eingeteilt werden, und er vermisste manche Kollegen. Die Entscheidung blieb trotzdem richtig für ihn. Zum ersten Mal hatte er etwas aufgegeben, um an einer anderen Stelle wirklich anwesend sein zu können.
Jahre später, als seine Tochter auszog, bemerkte Thomas eine ganz andere Leerstelle. Er hatte sich so selbstverständlich über Aufgaben verständigt, dass er für einen freien Nachmittag kaum eigene Wünsche benennen konnte. In Kassel, wohin er inzwischen gezogen war, schloss er sich einer kleinen privaten Wanderrunde an. Er begann außerdem zu kochen, ohne gleich Portionen für die ganze Woche herzustellen. Ein Gespräch mit einem Freund über das Älterwerden führte erstmals auch zu den Unsicherheiten, über die beide zuvor höchstens gescherzt hatten.
Heute singt Thomas beim Kochen, meistens den falschen Text, und verschickt Bilder misslungener Pfannkuchen an seine Tochter. Er mag Schwimmbäder am späten Abend und kann stundenlang alte Familienfotos sortieren. Hilfe anzunehmen fällt ihm schwerer, als Hilfe anzubieten. »DER POTENZ-CODE« beschäftigt sich mit männlicher Sexualität, Gewohnheiten und Selbstwahrnehmung. Thomas interessiert, wie ein Mann Veränderungen bemerkt und darüber spricht, wenn das eigene Selbstbild vor allem aus Zuverlässigkeit besteht. Er weiß aus seinem Alltag, wie schnell man sich dabei selbst übergeht. Die Erinnerung an den verschlafenen Applaus ist inzwischen weniger Vorwurf als Anlass, den nächsten Tag etwas genauer anzusehen.
Werk & Themen
DER POTENZ-CODE von Thomas Keller beschäftigt sich auf Deutsch mit Gewohnheiten, Selbstwahrnehmung und Erwartungen rund um männliche Sexualität. Der Blick reicht dabei über den einzelnen intimen Moment hinaus: Alltagstempo, Belastung, Schlaf und Vergleiche mit anderen gehören zu den Themen, über die der Ratgeber zum Nachdenken anregt.
Für die Buchauswahl ist dieser Schwerpunkt entscheidend. Wer seine eigenen Erwartungen genauer betrachten möchte, findet hier einen entsprechenden thematischen Einstieg. Schwarzgurt im Bett von Tom Keller setzt dagegen beim gemeinsamen Lernen an. DER POTENZ-CODE kann persönliche Fragen ordnen; eine medizinische Diagnose oder Behandlung lässt sich aus seiner Lektüre nicht ableiten.
Lektüre & Zugang
Für diesen Titel bietet sich eine ruhige Lektüre an, bei der Beobachtung und Bewertung voneinander getrennt bleiben. Eine anstrengende Woche ist zunächst eine Beschreibung; die Vorstellung, trotzdem immer gleich funktionieren zu müssen, ist eine Erwartung. Dazwischen liegt viel Stoff zum Nachdenken über das Bild, das jemand von sich als Mann mitbringt.
Auch der Vergleich mit anderen ist eine interessante Lesespur. Häufig bleibt unsichtbar, worauf eine vermeintlich selbstverständliche Norm überhaupt beruht. Wir empfehlen, solche Maßstäbe im Buch mit den eigenen zu vergleichen. Persönliche Sicherheit muss dabei keine laut auftretende Eigenschaft sein. Sie kann auch darin bestehen, eine Unsicherheit präziser aussprechen zu können.
Buch von Thomas Keller
Einige der verlinkten Bücher sind nur für Erwachsene bestimmt.
Deutsch 1
- RW
Sexualität & Beziehungen · Deutsch · Ab 18 Jahren
DER POTENZ-CODE
Ein Ratgeber zu Gewohnheiten, Selbstwahrnehmung und männlicher Sexualität.
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