Redaktion: Rauschwerk-Team · Redaktionell überarbeitet am 21. September 2026.
Ein Kindle-E-Book kann eine sichtbare Inhaltsseite und zusätzlich ein Verzeichnis im Lesemenü haben. Das ist kein versehentlich doppeltes Kapitel. Entscheidend ist, dass beide Wege zu den richtigen Stellen führen. Ändern Sie die Navigation in der Quelldatei oder im Erstellungsprogramm und prüfen Sie anschließend den neuen Export.
Sie öffnen Ihr E-Book, sehen eine eigene Inhaltsseite und entdecken im Kindle-Menü noch eine Kapitelliste. Oder der umgekehrte Fall: Im Text steht ein schön gestaltetes Verzeichnis, doch im Menü fehlen Einträge. Bevor Sie etwas löschen, lohnt sich ein Blick auf die unterschiedliche Aufgabe dieser Elemente. So verhindern Sie, dass eine optische Korrektur die Orientierung im Buch verschlechtert.
Zwei Verzeichnisse mit unterschiedlichen Aufgaben
Die sichtbare Inhaltsseite ist ein Teil des Buchtexts; das logische Inhaltsverzeichnis steuert dagegen die Kapitelnavigation im Kindle-Menü. Leser begegnen der Inhaltsseite beim Blättern und können dort einen Abschnitt auswählen. Ein sichtbares Verzeichnis allein beweist deshalb noch nicht, dass auch die Menünavigation funktioniert. KDP verlangt bei Kindle-E-Books mit Kapiteln oder Abschnitten ein funktionierendes Inhaltsverzeichnis und erklärt die beiden Formen in der Hilfe zum Navigationsdokument.
Für die Fehlersuche brauchen Sie zunächst keinen Programmcode. Schreiben Sie auf, was Sie tatsächlich sehen: zwei Inhaltsseiten hintereinander im Buchtext, eine Inhaltsseite plus Menü oder zweimal denselben Eintrag innerhalb des Menüs. Das sind drei verschiedene Befunde. Bei zwei Buchseiten suchen Sie nach doppeltem Inhalt. Bei zwei unterschiedlichen Zugangswegen prüfen Sie deren Ziele. Bei doppelten Menüeinträgen prüfen Sie die Zuordnung der Überschriften.
Zuerst die Ausgangsdatei bestimmen
Bearbeiten Sie die Datei, aus der die aktuelle E-Book-Fassung entstanden ist. Liegt Ihnen ein Word-Manuskript vor, ein Kindle-Create-Projekt oder eine fertige EPUB-Datei? Notieren Sie auch, wer den letzten Export angefertigt hat. Ein korrigiertes Word-Dokument hilft nicht, wenn anschließend versehentlich das unveränderte ältere EPUB hochgeladen wird.
Legen Sie eine Arbeitskopie an und geben Sie ihr einen eindeutigen Namen, beispielsweise mit Datum und dem Zusatz „Navigation“. Bewahren Sie die bisherige Ausgabedatei daneben auf. In einer kleinen Notiz genügt zunächst: Ausgangsdatei, Exportdatei, Erstellungsdatum und beobachteter Fehler. Diese Ordnung ist besonders nützlich, wenn Lektorat, Satz und Upload bei verschiedenen Personen liegen.
Wenn Sie noch zwischen Dateiformaten wählen, erklärt unser Überblick zu EPUB, PDF und KPF deren unterschiedliche Aufgaben. Für die jetzige Prüfung zählt aber die konkrete Datei, die Ihre Leser später erhalten sollen.
Eine Soll-Liste der Kapitel anlegen
Lesen Sie die Überschriften im Manuskript und erstellen Sie daraus eine kurze Liste in der tatsächlichen Reihenfolge. Nehmen Sie die Kapitelbezeichnungen aus dem Text. Ergänzen Sie Unterkapitel nur, wenn sie dem Leser beim gezielten Aufsuchen helfen. Bei einem Ratgeber können einzelne Arbeitsschritte wichtig sein; bei einem Roman reicht häufig die Kapitelebene.
Diese Liste ist Ihre Vergleichsgrundlage. Sie beantwortet drei Fragen: Welche Einträge sollen vorhanden sein, wie sollen sie heißen und wohin sollen sie führen? „Kapitel 4 fehlt“ ist damit eine überprüfbare Beobachtung. „Das Inhaltsverzeichnis ist kaputt“ lässt dagegen offen, ob Text, Reihenfolge, Anzeige oder Sprungziel betroffen sind.
Prüfen Sie auch Vorwort, Einleitung, Anhang und Literaturverzeichnis. Entscheiden Sie bewusst, was über die Navigation erreichbar sein soll. Ein hervorgehobener Satz mitten im Kapitel ist dagegen nicht automatisch eine Kapitelüberschrift. Solche gestalterischen Hervorhebungen sollten Sie bei der Kontrolle gezielt von der Buchgliederung unterscheiden.
Im Erstellungsprogramm korrigieren
Bei einem Word-Manuskript beginnt die KDP-Anleitung mit echten Überschriften-Formatvorlagen für die Kapitel und einem daraus erstellten Verzeichnis. Kindle Create bietet einen eigenen Weg für das interaktive Verzeichnis. Folgen Sie dem Abschnitt für Ihr verwendetes Programm in der KDP-Anleitung zur Erstellung eines Inhaltsverzeichnisses. Sichtbar große, fett gesetzte Schrift allein ersetzt die strukturelle Zuordnung nicht.
Vergleichen Sie nach der Änderung erneut mit Ihrer Soll-Liste. Prüfen Sie nicht nur den Eintrag, den Sie gerade repariert haben. Eine Änderung an einer gemeinsam verwendeten Überschriftenvorlage kann weitere Stellen betreffen. Besonders sorgfältig sollten Sie bei eingefügten Kapiteln, umbenannten Abschnitten und nachträglich verschobenen Anhängen vorgehen.
Wenn ein Dienstleister das EPUB erzeugt hat, schicken Sie ihm die Liste mit den konkreten Abweichungen. Eine brauchbare Meldung lautet: „Im Kindle-Menü fehlt das Kapitel Gartenboden. Auf der sichtbaren Inhaltsseite ist es vorhanden und führt zum richtigen Absatz.“ Das grenzt die Aufgabe ein. Sie müssen dafür keine Dateien im EPUB-Archiv selbst verändern.
Fiktives Beispiel: Ein Gartenratgeber mit drei Fehlern
Ein erfundener Ratgeber enthält fünf Kapitel und einen Anhang. Die Autorin hat vor dem Export zwei Kapitel umgestellt und eines umbenannt. Beim Lesen fallen ihr drei Abweichungen auf. Sie hält sie so fest:
| Eintrag | Erwartetes Ziel | Beobachtung | Nächste Korrektur |
|---|---|---|---|
| Gartenboden | Beginn des zweiten Kapitels | Im Menü nicht vorhanden | Kapitelzuordnung in der Quelle prüfen |
| Aussaat | Beginn des dritten Kapitels | Link springt zum alten vierten Kapitel | Verweis auf den aktuellen Kapitelanfang setzen |
| Pflegeplan | Eigenständiger Anhang | Menü zeigt noch „Anhang alt“ | Eintrag mit der endgültigen Überschrift abgleichen |
Sie behebt zunächst die fehlende Kapitelzuordnung, danach das falsche Ziel und zuletzt die Bezeichnung. Anschließend exportiert sie eine neue Datei. In der Gegenprüfung öffnet sie jedes Ziel sowohl über die Inhaltsseite als auch über das Menü. Erst wenn die Beobachtungsspalte keine Abweichungen mehr enthält, verwendet sie diese Fassung für den nächsten Upload.
Der wichtige Teil des Beispiels ist die Trennung von Namen und Ziel. Ein Eintrag kann richtig heißen und trotzdem an die falsche Stelle führen. Umgekehrt kann ein veralteter Name bereits zum richtigen Abschnitt springen. Beide Fehler brauchen eine eigene Prüfung.
Den Export wie ein Leser testen
Öffnen Sie die fertige Ausgabedatei, nicht nur die Projektvorschau während der Bearbeitung. Beginnen Sie mitten im Buch und rufen Sie die Navigation auf. Wählen Sie nacheinander Anfang, einen Abschnitt aus der Mitte und den letzten Eintrag. Vergleichen Sie die gelandete Überschrift mit Ihrer Liste. Gehen Sie danach sämtliche übrigen Einträge durch.
Testen Sie auch die sichtbare Inhaltsseite. Achten Sie darauf, ob der Klick wirklich funktioniert oder ob Sie lediglich farbig formatierten Text sehen. Bei verschachtelten Verzeichnissen prüfen Sie Haupt- und Untereinträge getrennt. Notieren Sie die verwendete Datei und die Prüfumgebung, damit ein anderer Beteiligter denselben Befund nachvollziehen kann.
KDP empfiehlt die Kontrolle der Links auf einem Kindle-Gerät; wenn keines verfügbar ist, nennt Amazon den Kindle Previewer als Hilfsmittel. Die Prüfung soll auch die Ziele des Menüs „Gehe zu“ umfassen. Einzelheiten stehen im Leitfaden zur Qualitätssicherung für Kindle-Inhalte. Eine erfolgreiche Vorschau ist dabei ein konkreter Prüfstand, keine Zusage für jede denkbare Gerätekonfiguration.
Wenn der Fehler erst nach dem Upload auftaucht
Vergleichen Sie dieselbe exportierte Datei vor und nach dem Upload. Stimmen die Dateinamen wirklich überein? Wurde nach der letzten Änderung noch einmal exportiert? Lässt sich der Fehler bereits lokal wiederholen? Diese drei Fragen helfen, die Übergabestelle zu finden.
Ist das lokale EPUB korrekt, die KDP-Vorschau aber abweichend, dokumentieren Sie beide Ansichten mit Kapitelname und Sprungziel. Eine Anfrage sollte die betroffene Ausgabe, den Datei- und Bearbeitungsstand sowie einen kurzen Weg zum Fehler enthalten. „Datei öffnen, Menü aufrufen, Aussaat auswählen, landet bei Ernte“ ist nachvollziehbarer als eine Sammlung unbeschrifteter Bildschirmbilder.
Ändern Sie während dieser Klärung möglichst nicht gleichzeitig Kapitelstruktur, Titel und Gestaltung. Sonst entsteht eine neue Fassung, deren Verhalten sich mit dem ursprünglichen Befund nur schwer vergleichen lässt.
Ihr nächster Schritt
Erstellen Sie jetzt die Soll-Liste für Ihr eigenes Buch und prüfen Sie jeden Eintrag über beide Zugangswege. Das Ergebnis ist ein kleines Abnahmeprotokoll, das Sie selbst verwenden oder an die Person für den E-Book-Satz weitergeben können. Für den gesamten Herstellungsablauf finden Sie bei Rauschwerk den Leitfaden E-Book erstellen: Text, Export und Prüfung.
Häufige Fragen
Darf ich die sichtbare Inhaltsseite löschen, wenn das Menü funktioniert?
Entscheiden Sie das anhand des Buchaufbaus und der KDP-Vorgaben für Ihr Format. Die sichtbare Seite und die Menünavigation erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Entfernen Sie die Seite nicht allein deshalb, weil Sie zusätzlich ein Verzeichnis im Menü sehen.
Muss ich für die Korrektur XML oder HTML bearbeiten?
Nicht bei jedem Arbeitsweg. Beginnen Sie mit den Funktionen Ihres Erstellungsprogramms oder einer präzisen Korrekturliste für den Satz. Direkte Eingriffe in ein EPUB sind nur sinnvoll, wenn Sie die Struktur verstehen und anschließend die gesamte Ausgabe prüfen können.
Reicht es, das Verzeichnis in Word zu kontrollieren?
Prüfen Sie zusätzlich den endgültigen Export. Die Arbeitsdatei zeigt, was Sie angelegt haben; die E-Book-Datei zeigt, was aus der Umwandlung entstanden ist. Für eine spätere Fehlermeldung brauchen Sie genau diesen Unterschied.
Sollte ich Seitenzahlen aus der Druckausgabe übernehmen?
Verwenden Sie für die Orientierung im E-Book aussagekräftige Kapitelbezeichnungen und passende Sprungziele. Eine Verweisung sollte den gesuchten Inhalt auffindbar machen, auch wenn die Darstellung auf dem Lesegerät anders aussieht als auf Ihrer Druckseite.