„Seit ich das Handy aus meinem Arbeitszimmer verbannt habe, hat sich meine Produktivität verdoppelt. Wer seine Schreibblockade überwinden will, sollte es genauso machen.“
Dieser Satz stammt aus einem fiktiven Manuskript. Er könnte am Anfang eines Kapitels stehen, das von einer persönlichen Veränderung erzählt. Die Handlung ist verständlich, der Nutzen wird sofort zum Rat. Dabei enthält der Satz mehrere Behauptungen, die unterschiedlich gut abgesichert sein können.
Vielleicht ist die geschilderte Veränderung genau so eingetreten. Vielleicht war das Handy ein wesentlicher Grund dafür. Ob andere Menschen auf dieselbe Weise ihre Schreibprobleme lösen, bleibt eine weitere Frage. Ein Sachbuch wird genauer, wenn es diese Übergänge sichtbar macht. Dabei kann die eigene Geschichte ihren Ton behalten und die besonderen Umstände ausführlich zeigen.
Die Prüfung beginnt damit, was die Erfahrung belegen soll. Eine Szene kann eine Lage verständlich machen. Ein sorgfältig rekonstruierter Fall kann eine verbreitete Erklärung erschüttern. Eine allgemeine Erfolgsaussage braucht eine Grundlage, die ihre Reichweite trägt. Wer das auseinanderhält, muss die eigene Erfahrung weder überhöhen noch aus dem Buch streichen.
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Vier erfolgreiche Vormittage werden zu acht
Bleiben wir bei dem erfundenen Autor. Er arbeitet an einem Sachbuch und führt zwanzig Arbeitstage lang ein Protokoll. Vor Beginn jeder Schreibsitzung legt er eine konkrete Aufgabe fest: beispielsweise einen bestimmten Absatz überarbeiten oder eine Argumentationslücke schließen. Bis zehn Uhr soll diese Aufgabe abgeschlossen sein. Das Kriterium gilt in beiden Phasen gleich; die Aufgaben sind nach seiner Einschätzung ähnlich anspruchsvoll.
An den ersten zehn Tagen liegt das Handy neben dem Computer. Danach lässt er es für zehn Tage außerhalb des Arbeitszimmers. Er zählt, wie oft er seine Aufgabe rechtzeitig abschließt.
Fiktive Daten zur Erklärung des Gedankengangs; keine Untersuchung von Rauschwerk und keine Ergebnisse aus einer Studie:
| Phase | Handy während der Schreibzeit | Beobachtete Arbeitstage | Aufgabe bis zehn Uhr abgeschlossen | Anteil |
|---|---|---|---|---|
| Erste Phase | Am Schreibtisch | 10 | 4 | 40 % |
| Zweite Phase | Außerhalb des Arbeitszimmers | 10 | 8 | 80 % |
Die Rechnung ist überschaubar. Der Autor erreicht sein Tagesziel an vier zusätzlichen Tagen. Der Anteil steigt um vierzig Prozentpunkte, von vierzig auf achtzig Prozent. Bezogen auf den vorherigen Anteil beträgt der relative Zuwachs hundert Prozent: Er schafft das festgelegte Ziel in der zweiten Phase doppelt so häufig.
Schon die Formulierung „Produktivität verdoppelt“ geht darüber hinaus. Gemessen wurden rechtzeitig abgeschlossene Aufgaben. Wir wissen weder, ob die Textqualität gestiegen ist, noch ob der Autor insgesamt mehr brauchbare Arbeit geleistet hat. Auch die behauptete Vergleichbarkeit der Aufgaben beruht zunächst auf seiner Einschätzung. Eine Tabelle beseitigt diese Fragen nicht.
Der belegbare Satz lautet enger: In diesen beiden protokollierten Phasen erreichte eine Person das beschriebene Tagesziel viermal beziehungsweise achtmal. Für ein Kapitel über diese Erfahrung kann das interessant sein. Für eine Behauptung über alle Schreibenden reicht die Zählung allein nicht.
Nun kommt eine Information hinzu: Genau zwischen den beiden Phasen endete ein anderer Auftrag, der den Autor bis dahin stark beschäftigt hatte. Er hatte anschließend weniger Termine und mehr Zeit für sein Buch. Diese Information gehört zum Fall. Wer sie beim Erzählen weglässt, hat zwar keine Zahl erfunden, aber eine wichtige Erklärungsmöglichkeit entfernt.
Eine Beobachtung, mehrere mögliche Erklärungen
Die zeitliche Abfolge lädt zu einer einfachen Geschichte ein: Das Handy verschwand, danach lief das Schreiben besser. Um zu prüfen, ob diese Geschichte als Erklärung trägt, müssen wir fragen, was sonst noch passiert ist.
Im fiktiven Fall sind mindestens zwei Abläufe mit denselben Zahlen vereinbar. Das Handy außerhalb des Zimmers könnte spontane Unterbrechungen erschwert haben. Der beendete Auftrag könnte dem Autor die ungestörte Zeit verschafft haben, die er vorher nicht hatte. Beide Veränderungen könnten gemeinsam geholfen haben. Die Tabelle entscheidet zwischen diesen Möglichkeiten nicht.
Die wichtige Gegenfrage lautet: Wie hätte dieser Autor in der zweiten Phase geschrieben, wenn das Handy am Tisch geblieben wäre und der andere Auftrag trotzdem geendet hätte? Genau diesen Verlauf haben wir nicht beobachtet. Der Vergleich mit den ersten zehn Tagen ersetzt ihn nur, wenn wir begründen können, warum die übrigen Unterschiede für das Ergebnis keine entscheidende Rolle spielen.
Julia Rohrer zeigt in ihrem methodischen Aufsatz über Korrelation und Kausalität, wie gemeinsame Ursachen einen beobachteten Zusammenhang erzeugen können. Sie betont zugleich, dass begründete kausale Schlüsse aus Beobachtungsdaten möglich sind, aber Annahmen und Wissen über den Gegenstand benötigen. Das bloße Ausweichen auf vorsichtige Wörter löst das Problem nicht. Rohrer: Thinking Clearly About Correlations and Causation.
Für unser Manuskript folgt daraus eine redaktionelle Aufgabe: Der Autor sollte die naheliegenden anderen Erklärungen am konkreten Ablauf prüfen. Er muss nicht alle denkbaren Einflüsse aufzählen. Der zeitgleich beendete Auftrag ist jedoch so offensichtlich relevant, dass der Text ohne ihn ein schiefes Bild vermittelt.
Auch ein nachvollziehbarer Wirkungsweg verdient einen genauen Blick. Hat der Autor tatsächlich seltener zum Handy gegriffen? Wurde aus diesen vermiedenen Unterbrechungen zusammenhängende Schreibzeit? Oder arbeitete er unverändert lange, kam aber mit leichteren Aufgaben schneller zum Ziel? Wenn dazu keine Aufzeichnungen existieren, bleibt die Erklärung eine Vermutung. Eine anschauliche Beschreibung kann sie verständlich machen; sie ersetzt die fehlende Beobachtung nicht.
Manchmal beginnt eine neue Routine ausgerechnet nach einer außergewöhnlich schlechten Woche. Dann sollte man prüfen, ob schon die Rückkehr zu einem gewöhnlicheren Verlauf einen Teil der Verbesserung erklären könnte. Das wäre kein Beweis gegen die Routine. Es wäre ein Grund, den besonders schlechten Ausgangspunkt nicht ungeprüft zum dauerhaften Normalzustand zu erklären.
Mehr Tage können helfen, einen Verlauf genauer zu beschreiben. Sie reparieren aber nicht automatisch einen Vergleich, in dem mehrere Veränderungen stets zusammen auftreten. Wenn das Handy über Monate außerhalb des Zimmers bleibt und gleichzeitig die Arbeitsbelastung dauerhaft niedriger ist, bleibt ihre getrennte Bedeutung offen. Viele Aufzeichnungen derselben Person sind außerdem viele Beobachtungen dieser Person, keine entsprechend große Gruppe unabhängiger Menschen.
Das Kapitel darf diese offene Frage tragen. Es kann zeigen, weshalb der Autor das Handy heute anders behandelt und was er daraus gelernt hat. Die Schwierigkeit beginnt dort, wo aus seiner begründeten persönlichen Entscheidung ein allgemein bewiesener Wirkungszusammenhang wird.
Was ein einzelner Fall sehr wohl leisten kann
„Das ist nur eine Anekdote“ ist als Schlussurteil ebenso grob wie „Bei mir hat es funktioniert, also funktioniert es“. Ein Fall kann für unterschiedliche Fragen unterschiedlich viel leisten.
Bent Flyvbjerg wendet sich in seiner Untersuchung zur Fallstudienforschung ausdrücklich gegen die Behauptung, ein Einzelfall könne grundsätzlich nichts zur Erkenntnis beitragen. Er beschreibt unter anderem den Wert gründlicher Fallanalysen, der gezielten Fallauswahl und von Fällen, die eine allgemeine Behauptung widerlegen. Der Erkenntniswert hängt von der Frage und der Untersuchung ab. Flyvbjerg: Five Misunderstandings About Case-Study Research.
Das lässt sich für Sachbücher nutzen, ohne einen privaten Erfahrungsbericht nachträglich zur wissenschaftlichen Fallstudie zu erklären. Stellen wir uns als weiteres fiktives Beispiel vor, ein Schreibratgeber behaupte: „Ohne einen täglich gleich langen, ungestörten Vormittag kann niemand ein anspruchsvolles Sachbuch fertigstellen.“ Ein gründlich belegter Fall, in dem jemand unter anderen Bedingungen ein solches Buch fertiggestellt hat, würde diese ausnahmslose Behauptung widerlegen.
Dazu müsste allerdings klar sein, dass die Person tatsächlich unter den beschriebenen Bedingungen arbeitete und das Buch den gemeinten Anforderungen entspricht. Eine bloße Heldengeschichte mit unklaren Begriffen wäre ein schwaches Gegenbeispiel. Man muss wissen, was der behauptete Zwang ist und woran sein Gegenteil erkennbar wäre.
Anders liegt die Frage, wie häufig eine Arbeitsweise hilft. Ein Gegenbeispiel zu „Es klappt immer“ beantwortet nicht, ob es meistens klappt, selten klappt oder für bestimmte Menschen besonders gut passt. Dafür fehlen uns im einzelnen Fall die anderen Verläufe und eine begründete Auswahl der untersuchten Personen.
Ein Fall kann zudem sichtbar machen, wo ein Verfahren ansetzt oder scheitert. Wenn wir den Arbeitsalltag einer Person sorgfältig rekonstruieren, entdecken wir möglicherweise einen Engpass, den eine allgemeine Beschreibung übergeht: Die Unterbrechung kam nicht vom Telefon, sondern von der Erwartung, jederzeit auf Nachrichten reagieren zu müssen. Das wäre im konkreten Fall erst zu belegen. Als Frage könnte es neue Gespräche und Vergleiche anstoßen.
Für die Buchplanung ist das ein erheblicher Unterschied. Ein Kapitel kann eine bisher übersehene Bedingung erschließen, einen Widerspruch ausarbeiten oder eine Erklärung an einem anspruchsvollen Fall prüfen. Es braucht dafür keine angebliche Erfolgsquote. Die Qualität liegt dann darin, dass Leser den Fall genau genug verstehen, um mit seiner Einsicht weiterzudenken.
Welchen Satz soll der Beleg tragen?
Bei der Überarbeitung lohnt es sich, den wichtigsten Satz eines Absatzes herauszulösen. Welche Art von Aussage steht dort? Die Antwort bestimmt, was wir prüfen müssen.
| Aussage im fiktiven Manuskript | Was darin behauptet wird | Was zunächst zu prüfen wäre |
|---|---|---|
| „Ich schloss mein Tagesziel achtmal rechtzeitig ab.“ | Ein beobachteter Verlauf | Protokoll, Zeitraum und gleichbleibende Bedeutung des Tagesziels |
| „Ohne das Handy fühlte ich mich weniger getrieben.“ | Eine persönliche Wahrnehmung | Ob dies die berichtete Erfahrung ist; bei einer Erinnerung auch ihre zeitliche Einordnung |
| „Das ausgelagerte Handy verursachte die Verbesserung.“ | Eine Wirkung | Ein Vergleich und Annahmen, die relevante andere Erklärungen berücksichtigen |
| „Diese Routine hilft Schreibenden mit Unterbrechungen.“ | Eine Aussage über weitere Personen | Welche Personen und Situationen gemeint sind und was die Übertragung rechtfertigt |
| „Mir ist ungestörte Zeit wichtiger als ständige Erreichbarkeit.“ | Eine Bewertung und persönliche Entscheidung | Ob die Abwägung verständlich ist; die Wertung benötigt keinen Wirksamkeitsnachweis |
Die Zeilen bilden keine Rangliste. Eine präzise beschriebene Erfahrung ist nicht automatisch weniger wert als eine Aussage über viele Menschen. Sie beantwortet eine andere Frage.
Gerade ein persönliches Sachbuch darf Bewertungen enthalten. Ein Autor kann erklären, warum er eine Arbeitsweise gewählt hat, welche Nachteile er akzeptiert und welche Art von Alltag ihm wichtig ist. Problematisch wird es, wenn eine Wertentscheidung als nachgewiesene Wirkung verkleidet wird. „Ich will morgens nicht erreichbar sein“ und „Morgendliche Unerreichbarkeit verbessert bei allen die Textqualität“ verlangen unterschiedliche Begründungen.
Ebenso wenig muss jede Passage ein messbares Ergebnis liefern. Eine Szene kann zeigen, wie sich eine Unterbrechung für den Erzähler anfühlte. Ihre Aufgabe wäre dann, diese Erfahrung nachvollziehbar zu machen. Eine Quelle über die durchschnittliche Häufigkeit von Unterbrechungen würde den inneren Zustand dieser Person nicht belegen.
Wer zunächst Material sammeln oder Gespräche auswerten möchte, kann im Leitfaden Ein Interview für ein Buch führen die praktische Arbeitsfolge nachlesen. Hier geht es um den nächsten Schritt: Welche Aussage darf aus diesem Material entstehen?
Wenn die Gewissheit aus der Erinnerung kommt
Unser fiktiver Autor besitzt ein zeitnah geführtes Protokoll. In einem echten Buchprojekt kann die Grundlage anders aussehen: Jahre nach einer Veränderung erinnert sich jemand daran, „damals plötzlich viel besser“ gearbeitet zu haben. Das ist brauchbares Erzählmaterial. Ein genau datierter Verlauf mit überprüfbaren Mengen entsteht daraus jedoch noch nicht.
Eine Untersuchung von Jennifer Talarico und David Rubin macht eine wichtige Unterscheidung anschaulich. 54 Studierende hielten am Tag nach den Anschlägen vom 11. September 2001 fest, wie sie davon erfahren hatten, und beschrieben außerdem ein alltägliches Ereignis. Spätere Befragungen fanden nach unterschiedlichen Abständen statt. Bei beiden Erinnerungstypen nahm die Übereinstimmung mit dem ersten Bericht ab. Die Überzeugung, sich richtig zu erinnern, blieb bei den Erinnerungen an das außergewöhnliche Ereignis dagegen hoch. Gemessen wurde die Übereinstimmung zwischen Berichten, keine lückenlos unabhängig festgestellte Wahrheit des ursprünglichen Erlebnisses. Talarico und Rubin: Confidence, Not Consistency, Characterizes Flashbulb Memories.
Diese spezielle Untersuchung fällt kein Urteil über die Zuverlässigkeit jeder Lebensgeschichte. Sie gibt Anlass, gefühlte Gewissheit und überprüfbare Angaben auseinanderzuhalten. Für das Schreiben folgt daraus: Je mehr eine Szene als Beleg für Datum, Ablauf oder Ursache leisten soll, desto genauer sollten wir prüfen, worauf diese Angaben beruhen.
Ein Kalender kann zeigen, wann ein Auftrag endete. Eine damalige Nachricht kann belegen, dass der Autor zu diesem Zeitpunkt über Schwierigkeiten schrieb. Sie beweist nicht von selbst, dass seine heutige Erklärung für diese Schwierigkeiten zutrifft. Umgekehrt macht eine Datumsabweichung nicht automatisch seine gesamte Erfahrung bedeutungslos. Man muss die Aussage prüfen, die an der konkreten Stelle gebraucht wird.
Auch mehrere übereinstimmende Erinnerungen sind nicht zwingend voneinander unabhängige Bestätigungen. Vielleicht haben die Beteiligten eine Geschichte über Jahre gemeinsam erzählt. Vielleicht stützen sie ihre Datierung alle auf denselben späteren Bericht. Drei Kopien eines Dokuments sind weiterhin ein Dokument; drei Aussagen mit derselben ungeprüften Grundlage sind keine dreifache Absicherung dieser Grundlage.
In einer Arbeitsfassung sollte deshalb erkennbar bleiben, woher eine Angabe kommt. Die Notiz „Ich erinnere mich an eine ruhige Woche“ hat eine andere Herkunft als „Im Kalender stehen in dieser Woche zwei statt sieben Termine“. Beide können in denselben Absatz eingehen. Ihre Verbindung zu „Deshalb konnte ich endlich schreiben“ wäre ein weiterer, zu begründender Schritt.
Das betrifft auch Dialoge. Wer noch den Sinn einer Bemerkung weiß, aber nicht ihren Wortlaut, kann sie sinngemäß wiedergeben. Präzise ausformulierte Sätze vermitteln sonst eine Genauigkeit, die das Material nicht hergibt. Für ausführliche persönliche Erzählungen behandelt Autobiografie schreiben die Verbindung von Erinnerung, Szene und heutiger Einordnung.
Im fertigen Buch muss nicht neben jedem Satz ein Herkunftsetikett stehen. Die wichtigen Übergänge sollten jedoch lesbar bleiben: „In meinem damaligen Kalender …“, „Ich erinnere mich …“, „Heute erkläre ich mir das so …“. Solche Formulierungen helfen dort, wo ihre Unterscheidung die Bedeutung des Absatzes verändert. Werden sie mechanisch überall eingefügt, verlieren sie ihren Zweck.
Zwölf Erfolgsgeschichten beantworten nicht jede Frage
Denken wir an ein anderes konstruiertes Buchprojekt. Eine Autorin interviewt zwölf Menschen, deren Schreibprojekte mit einer bestimmten Routine gut vorangekommen sind. Alle zwölf beschreiben die Routine positiv. Das Buch kann nun zwölf unterschiedliche Erfolgsverläufe erzählen.
Aus dieser Auswahl lässt sich aber keine Erfolgsquote der Routine errechnen. Wir wissen nicht, wie viele Menschen sie insgesamt ausprobiert haben. Wir wissen auch nicht, ob die erfolgreichen Verläufe durch die Routine, andere Bedingungen oder ihr Zusammenspiel entstanden. Die Interviewten wurden gerade deshalb ausgewählt, weil ihre Geschichten zum gewünschten Ergebnis passen.
Der Fehler wäre der Satz: „Bei unseren Interviews war die Erfolgsquote hundert Prozent.“ Die Rechnung zwölf von zwölf wäre zwar korrekt, doch die Auswahl beantwortet eine andere Frage als die behauptete Quote. Ebenso wenig könnten wir ohne weitere Informationen sagen, wie hoch die Quote tatsächlich ist oder wie stark sie überschätzt wird.
Trotzdem sind die Gespräche nicht wertlos. Die Autorin kann untersuchen, wie die Personen die Routine angewandt haben, welche Hürden auftauchten und worin sich die Verläufe unterscheiden. Ihre Auswahl eignet sich möglicherweise für die Frage: Wie sehen gelungene Anwendungen aus? Sie eignet sich allein nicht für: Wie oft gelingt die Anwendung bei allen, die sie beginnen?
Ein Gespräch mit jemandem, der früh aufgehört hat, könnte den Buchstoff vertiefen. Vielleicht war die Routine mit dessen beruflicher Erreichbarkeit unvereinbar. Vielleicht wollte die Person etwas anderes erreichen. Solche Fälle helfen, Bedingungen und Grenzen zu verstehen. Aus ein paar nachträglich ergänzten Gegenbeispielen wird allerdings noch keine repräsentative Stichprobe.
Für das Buch ist daher eine ehrliche Auswahlbeschreibung nützlich: Warum kommen gerade diese Menschen vor? Welche Verläufe fehlen? Was soll die Auswahl zeigen? Ein thematisches Buch darf seine Fälle gezielt auswählen. Es sollte diese Entscheidung nur nicht mit der Behauptung verwechseln, die ausgewählten Geschichten bildeten die Häufigkeiten außerhalb des Buchs ab.
Die gleiche Frage stellt sich bei einer eigenen langen Berufserfahrung. „In vielen Gesprächen habe ich beobachtet …“ kann eine begründete fachliche Einschätzung einleiten. Wenn daraus „Fast alle Menschen …“ wird, muss klar sein, wer überhaupt in diesen Gesprächen auftauchte. Vielleicht kamen vorwiegend Menschen mit einem bestimmten Problem, einer ähnlichen finanziellen Lage oder einer schon vorhandenen Motivation. Erfahrung hat einen Einzugsbereich. Der Text wird genauer, wenn er ihn beschreibt.
Was eine Forschungsquelle am eigenen Satz ändern kann
Ein Quellenverweis sollte zu der Behauptung passen, die er stützen soll. Für die Handyroutine wäre eine Untersuchung über genau diese Veränderung bei einer passenden Gruppe besonders relevant. Eine allgemeine methodische Arbeit über Kausalität wäre dafür kein Wirksamkeitsbeleg.
Die hier verlinkten Forschungsarbeiten untersuchen keine Handyroutine beim Sachbuchschreiben. Sie helfen, die Aussagen unseres fiktiven Beispiels zu prüfen. Daraus darf keine Behauptung entstehen, das Beispiel sei wissenschaftlich bestätigt.
Diese Grenze wird leicht übersehen, wenn die Wörter einer Studie zum Manuskript passen. Eine Untersuchung könnte etwa die Bearbeitungszeit einer kurzen Aufgabe messen, während das Buch von „Kreativität“ spricht. Oder sie könnte eine kurzfristige Veränderung berichten, während der Autor einen dauerhaften Nutzen verspricht. Der Quellenname beantwortet dann nicht die Frage, ob tatsächlich derselbe Gegenstand untersucht wurde.
Beim Lesen sind deshalb einige Angaben wichtiger als ein eindrucksvoller Abstract: Wer wurde untersucht? Was wurde verändert oder beobachtet? Was galt als Ergebnis? Womit wurde verglichen? Wie lange dauerte die Untersuchung? Was schreiben die Forschenden über Einschränkungen? Erst danach lässt sich entscheiden, ob eine Quelle den geplanten Satz trägt, ihn enger macht oder ihn infrage stellt.
Auch ein sorgfältiger Vergleich, der eine Wirkung im untersuchten Rahmen gut begründet, löst nicht jede Frage der Übertragung. Angus Deaton und Nancy Cartwright zeigen in ihrer Arbeit über randomisierte kontrollierte Studien, dass ein im Versuch ermittelter durchschnittlicher Effekt weder automatisch für jede einzelne Person gilt noch ohne weitere Begründung in einem anderen Umfeld erwartet werden kann. Die Nutzung eines Ergebnisses braucht eine eigene Prüfung der Bedingungen. Deaton und Cartwright: Understanding and Misunderstanding Randomized Controlled Trials, Manuskriptfassung.
Für ein Sachbuch bedeutet das nicht, jede allgemeine Aussage aufzugeben. Man kann mehrere passende Untersuchungen zusammen betrachten, begründete Erklärungen prüfen und Widersprüche bearbeiten. Entscheidend ist, die verbleibende Reichweite zu zeigen. Ein durchschnittlicher Nutzen liefert beispielsweise keinen garantierten Nutzen für den konkreten Leser.
Daniel Simons, Yuichi Shoda und D. Stephen Lindsay haben für empirische Forschungsartikel vorgeschlagen, ausdrücklich anzugeben, auf welche Personen, Situationen und Untersuchungsgegenstände die Ergebnisse bezogen werden sollen und warum. Diese Frage hilft auch einer Buchredaktion. Das ist eine Übertragung ihres Vorschlags auf unsere Schreibaufgabe, kein von ihnen entwickeltes Verfahren für Sachbuchmanuskripte. Simons, Shoda und Lindsay: Constraints on Generality, Originalabstract.
Manchmal verändert eine Quelle den geplanten Absatz grundlegend. Aus „Diese Technik steigert die Kreativität“ könnte „In dieser Untersuchung wurde eine bestimmte Aufgabe unter diesen Bedingungen schneller gelöst“ werden. Dann muss die Buchredaktion überlegen, was dieser engere Befund für das Kapitel tatsächlich bedeutet. Den ursprünglichen großen Satz stehen zu lassen und irgendwo eine Fußnote mit Einschränkungen anzuhängen, löst den Widerspruch nicht.
Fachliche Recherche dient hier auch dazu, die eigene Geschichte herauszufordern. Wo passt sie zu anderen Befunden? Wo widerspricht sie ihnen? Welche Erklärung bleibt nach dieser Prüfung übrig? Ein Buch gewinnt an Tiefe, wenn es den Gegensatz ausarbeitet, statt passende Quellen nur zur Bestätigung eines schon feststehenden Ergebnisses zu sammeln.
Eine Empfehlung braucht erkennbare Bedingungen
Kehren wir zum erfundenen Autor zurück. Selbst wenn er später gute Gründe hätte, das ausgelagerte Handy als wichtigen Einfluss anzusehen, wäre „Machen Sie es genauso“ noch zu grob. Welche Leser meint er?
Die vorgeschlagene Veränderung richtet sich zunächst an Menschen, die beim Schreiben tatsächlich durch den Griff zum Handy unterbrochen werden und es während einer abgegrenzten Sitzung entbehren können. Wer am Telefon erreichbar bleiben muss, hat andere Voraussetzungen. Wer das Gerät für Quellenzugriff oder eine Hilfsfunktion benötigt, verändert durch das Auslagern möglicherweise mehr als nur die Gelegenheit zur Ablenkung.
Auch das angestrebte Ergebnis muss passen. Eine Person möchte endlich anfangen. Eine andere beginnt mühelos, verliert aber später den Gedankengang. Eine dritte schreibt viele Seiten und muss die Hälfte verwerfen. Diese Probleme unter dem gemeinsamen Wort „Schreibblockade“ zu bündeln, macht eine Empfehlung ungenau.
Im fiktiven Protokoll wurde die rechtzeitige Fertigstellung einer zuvor bestimmten Aufgabe gezählt. Eine Empfehlung, die aus dem Fall hervorgeht, sollte diese Nähe zur Aufgabe behalten. Wenn daraus eine Hilfe bei jedem denkbaren Schreibproblem wird, ist die Reichweite gewachsen, ohne dass neues Material hinzugekommen wäre.
Daneben gehört der Aufwand zur Entscheidung. Was kostet es die Person, das Gerät auszulagern? Welche notwendige Kommunikation soll weiter möglich sein? Lässt sich die Änderung leicht beenden, wenn sie stört? Ein Rat kann für jemanden vernünftig sein, obwohl seine Wirkung noch unsicher ist, wenn der Versuch für diese Person wenig Aufwand verursacht und nachvollziehbar begrenzt ist. Das ist eine Abwägung, kein nachträglicher Wirkungsnachweis.
Ein Buch kann diese Abwägung offen anbieten: „Wenn Sie während einer Schreibsitzung häufig aus Gewohnheit zum Handy greifen und es in dieser Zeit nicht benötigen, können Sie prüfen, ob ein anderer Aufbewahrungsort Ihnen hilft.“ Die Handlung ist klar. Ihr Nutzen für die einzelne Person bleibt eine Frage, die sie beobachten kann.
Wo Empfehlungen weitreichende gesundheitliche, finanzielle oder rechtliche Folgen hätten, wäre ein solcher beiläufiger Selbstversuch keine ausreichende Grundlage für einen Rat. Der Anspruch und die mögliche Folge der Empfehlung bestimmen mit, welche fachliche Prüfung der Text braucht. Die harmlose Veränderung eines Arbeitsplatzes ist dafür kein Modell, das sich unverändert auf alle Lebensbereiche übertragen lässt.
Was wir beim nächsten Mal genauer wissen wollen
Offene Fragen müssen nicht alle für immer offenbleiben. Unser fiktiver Autor könnte vor einem weiteren persönlichen Vergleich aufschreiben, was er überhaupt wissen möchte: Hilft ihm der andere Aufbewahrungsort dabei, eine ähnlich anspruchsvolle, vorher festgelegte Schreibaufgabe rechtzeitig zu beenden?
Er würde damit die Frage enger fassen als „Werde ich produktiver?“. Zugleich könnte er festhalten, welche Tage er beobachten will, was als abgeschlossene Aufgabe zählt und welche außergewöhnlichen Ereignisse er zusätzlich notiert. Wenn er hinterher nur die ruhigen Tage auswählt oder „Erfolg“ je nach Tagesform anders definiert, wäre der Vergleich schwerer zu beurteilen.
Brian Nosek und seine Mitautoren beschreiben für wissenschaftliche Forschung den Unterschied zwischen einer vor dem Ergebnis festgelegten Prüfung und einer Erklärung, die erst beim Betrachten der Ergebnisse entsteht. Vorab registrierte Pläne sollen diesen Unterschied nachvollziehbar machen. Auch nachträglich entdeckte Ideen haben ihren Wert; sie sind jedoch als solche zu behandeln. Nosek und andere: The Preregistration Revolution.
Für unser Buchprojekt übernehmen wir daraus einen bescheideneren Gedanken: Vorher notieren, woran man die eigene Vermutung prüfen will. Ein privater Plan ist keine wissenschaftliche Präregistrierung. Er kann aber sichtbar machen, ob der Autor seine ursprüngliche Frage nach dem Ergebnis umformuliert hat.
Angenommen, im weiteren fiktiven Verlauf würden rechtzeitig abgeschlossene Aufgaben nicht häufiger, der Autor fühlte sich aber wohler. Dieses Wohlbefinden dürfte er beschreiben. Er müsste nur deutlich machen, dass es ein anderer Befund ist als der ursprünglich erwartete Zuwachs bei der Aufgabenerledigung. Das neue Ergebnis wäre ein Anlass für eine weitere Frage, keine rückwirkende Bestätigung jeder früheren Vermutung.
Auch die Reihenfolge der Bedingungen verdient Aufmerksamkeit. Wieder nur zunächst mit und danach ohne Handy zu schreiben, kann erneut eine allgemeine Veränderung über die Zeit mit der Routine vermischen. Unterschiedliche, vorab festgelegte oder zufällig zugewiesene Bedingungen könnten einen persönlicheren Vergleich aussagekräftiger machen, sofern Aufgaben und Umfeld hinreichend vergleichbar sind. Gewöhnung, Nachwirkungen und die Kenntnis der jeweiligen Bedingung können trotzdem eine Rolle spielen. Eine bestimmte Abfolge allein macht aus dem Vorhaben keinen belastbaren Wirksamkeitsnachweis.
Untersuchungen an einer einzelnen Person können durchaus gezielt Wirkungen prüfen. Ein Beispiel sind klinische N-of-1-Studien: Sunita Vohra und ihre Mitautoren beschreiben dafür Elemente kontrollierter Versuche mit einem einzelnen Patienten und legen Anforderungen an deren nachvollziehbare Berichterstattung dar. Das zeigt, warum die Zahl der untersuchten Personen allein kein Qualitätsurteil erlaubt. Es bestätigt weder unsere Handyroutine noch macht es den privaten Vergleich zu einer klinischen Studie. Vohra und andere: CONSORT Extension for Reporting N-of-1 Trials, Originalabstract.
Für einen Sachbuchautor ist es vernünftiger, das Untersuchungsdesign, die Messung und die nötigen Annahmen offen zu benennen, als jeder Tabelle mit mehreren Tagen das Etikett „Experiment“ aufzukleben.
Das Ziel einer solchen Genauigkeit ist zunächst ein besseres Urteil über den eigenen Fall. Falls sich die Handyroutine mehrfach unter vergleichbaren Bedingungen als hilfreich erweist, könnte der Autor stärker begründen, warum er sie beibehält. Eine allgemeine Garantie für seine Leser entstünde daraus weiterhin nicht automatisch.
Manchmal braucht ein Buch diese zusätzliche Untersuchung gar nicht. Will das Kapitel erzählen, wie der Autor seine Arbeitsweise verändert hat, können ein genauer Verlauf und eine faire Einordnung genügen. Will es einen neuen wirksamen Ansatz für viele Menschen behaupten, ist mehr Arbeit nötig. Die Recherche richtet sich nach der Frage, die der Text beantworten soll.
Der Absatz nach der Prüfung
Wie würde unser Anfang nun in einem sorgfältig überarbeiteten Sachbuch aussehen? Die folgende Fassung bleibt vollständig fiktiv. Auch die Ich-Stimme gehört der erfundenen Person; sie berichtet keine Erfahrung des Verfassers dieses Artikels.
Während der ersten zehn protokollierten Arbeitstage erreichte ich mein vorher festgelegtes Schreibziel viermal bis zehn Uhr. In den nächsten zehn Tagen gelang mir das achtmal. In dieser zweiten Phase lag das Handy außerhalb des Arbeitszimmers. Gleichzeitig war ein anderer Auftrag beendet; ich hatte weniger Termine. Meine Notizen erlauben deshalb nicht, die Verbesserung eindeutig auf das Handy zurückzuführen.
Ich behielt den anderen Aufbewahrungsort bei. Für mich war die Veränderung wenig aufwendig, und ich wollte während dieser Schreibzeit ohnehin keine Nachrichten lesen. Ob sie meine Textqualität verbesserte, hatte ich nicht untersucht. Wenn Sie beim Schreiben oft zum Handy greifen und es während einer begrenzten Sitzung nicht benötigen, könnten Sie diese Änderung für sich prüfen. Legen Sie vorher fest, woran Sie eine Hilfe erkennen würden, und achten Sie darauf, was sich in Ihrem Arbeitsalltag gleichzeitig verändert.
Der Absatz ist länger als das ursprüngliche Versprechen. Er enthält dafür etwas, das dort fehlte: einen verständlichen Verlauf, eine relevante andere Erklärung und die Gründe für eine persönliche Entscheidung. Leser erfahren auch, was die Zahlen nicht beantworten. Sie können einschätzen, ob die vorgeschlagene Handlung zu ihrer Lage passt.
Die Einordnung muss dabei an derselben Stelle stehen wie die Behauptung, die sie begrenzt. Würde die Überschrift weiterhin „Produktivität verdoppeln ohne Handy“ lauten, könnte ein präziser Absatz darunter den angekündigten Erfolg nicht retten. Titel, Kapitelüberschriften und hervorgehobene Merksätze brauchen dieselbe Prüfung wie der Fließtext.
Das betrifft besonders Zusammenfassungen. Ein differenziertes Kapitel kann beim Kürzen plötzlich zu „Handy raus, Schreibblockade weg“ werden. Dann ist der Übergang von Beobachtung zu Erfolgsversprechen zurückgekehrt. Wer ein Manuskript überarbeitet, sollte seine zentralen Aussagen daher auch in den Stellen lesen, die allein stehen können: Inhaltsverzeichnis, Rückseitentext, Abbildungsbeschriftungen und kurze Auszüge.
Nicht jedes Kapitel muss wie der Beispielabsatz klingen. Eine persönliche Szene kann zuerst ausführlich erzählt und später eingeordnet werden. Eine Untersuchung kann mit einer widersprechenden Beobachtung beginnen. Ein Essay kann die eigene frühere Überzeugung langsam verändern. Wichtig ist, dass die Form dem Leser rechtzeitig zeigt, auf welcher Grundlage der Gedanke weitergeführt wird.
Für die Arbeit an Aufbau und Übergängen bietet Manuskript überarbeiten eine ergänzende Arbeitsfolge. Der Prüfpunkt dieses Beitrags lässt sich daneben festhalten: Ist die stärkste Aussage des Abschnitts genauso gut abgesichert, wie ihre Formulierung erwarten lässt?
Die Geschichte darf mehr zeigen, als sie allgemein beweist
Eine persönliche Erfahrung kann für Leser wertvoll sein, auch wenn sie keinen allgemeingültigen Rat hervorbringt. Sie kann einen Konflikt genauer beschreiben, eine bisher übersehene Möglichkeit zeigen oder erklären, warum eine Person unter bestimmten Bedingungen eine Entscheidung traf. Das sind eigenständige Aufgaben eines Sachbuchs.
Umgekehrt liefert auch eine gut begründete allgemeine Wirkung noch keine vollständige Geschichte eines Menschen. Sie erzählt nicht, was diese Person wollte, welche Einschränkungen sie hatte und welchen Preis sie für eine Veränderung akzeptierte. Dafür braucht der Text den konkreten Fall und dessen Perspektive.
Ein starkes Erfahrungsbuch bringt beide Ebenen ins Gespräch. Es lässt die Person mit ihren Umständen sichtbar werden und prüft, welche weiterführenden Aussagen ihr Material trägt. Wo die Geschichte eine offene Frage erzeugt, kann das Buch diese Frage genauer stellen. Wo es zu einer Empfehlung kommt, sollte man erkennen können, wie weit die Begründung reicht.
Unser erfundener Autor muss seine zwanzig Tage also nicht wegwerfen. Er muss sie richtig lesen. Vier werden zu acht; das ist in seinem Protokoll eine Veränderung. Warum sie entstand, wie er sie bewertet und was ein anderer Mensch daraus machen kann, sind zusätzliche Fragen. Gerade ihre gründliche Bearbeitung kann aus dem kurzen Erfolgsversprechen ein lesenswertes Kapitel machen.
Verwendete Forschungsarbeiten
Die Überlegungen zur Buchredaktion und sämtliche Schreibbeispiele in diesem Beitrag sind eigene Ausarbeitungen. Die folgenden Originalarbeiten begründen die jeweils im Text genannten methodischen Punkte. Keine davon ist ein Nachweis für die Wirksamkeit des fiktiven Handyversuchs.
- Bent Flyvbjerg (2006): Five Misunderstandings About Case-Study Research. Qualitative Inquiry, 12(2), 219–245. Zur Erkenntnisleistung sorgfältig untersuchter Fälle; frei zugängliche Autorenfassung.
- Julia M. Rohrer (2018): Thinking Clearly About Correlations and Causation: Graphical Causal Models for Observational Data. Advances in Methods and Practices in Psychological Science, 1(1), 27–42. Zu Annahmen bei kausalen Schlüssen aus Beobachtungsdaten.
- Jennifer M. Talarico und David C. Rubin (2003): Confidence, Not Consistency, Characterizes Flashbulb Memories. Psychological Science, 14(5), 455–461. Zur Unterscheidung von Erinnerungsgewissheit und Übereinstimmung späterer Berichte mit dem ersten Bericht.
- Angus Deaton und Nancy Cartwright (2018): Understanding and Misunderstanding Randomized Controlled Trials. Social Science & Medicine, 210, 2–21. Zur Nutzung und Übertragung von Versuchsergebnissen. Im Text ist zusätzlich die gelesene Manuskriptfassung vom 1. Oktober 2017 verlinkt.
- Daniel J. Simons, Yuichi Shoda und D. Stephen Lindsay (2017): Constraints on Generality (COG): A Proposed Addition to All Empirical Papers. Perspectives on Psychological Science, 12(6), 1123–1128. Zum ausdrücklichen Benennen der angestrebten Reichweite; genutzt wurde der Originalabstract.
- Brian A. Nosek, Charles R. Ebersole, Alexander C. DeHaven und David T. Mellor (2018): The Preregistration Revolution. Proceedings of the National Academy of Sciences, 115(11), 2600–2606. Zur Trennung vorher festgelegter Prüfungen von nachträglich entwickelten Erklärungen.
- Sunita Vohra und andere (2016): CONSORT Extension for Reporting N-of-1 Trials (CENT) 2015 Statement. Journal of Clinical Epidemiology, 76, 9–17; online 2015. Zu kontrollierten Versuchen mit einzelnen Patienten und ihrer Berichterstattung; genutzt wurde der Originalabstract dieser Zeitschriftenfassung.