Die deutsche Buchpreisbindung kann auch selbst veröffentlichte Bücher und E-Books erfassen. Der Verlag setzt für die konkrete Ausgabe den Endpreis einschließlich Umsatzsteuer fest; gewerbs- oder geschäftsmäßige Verkäufe an Endkunden in Deutschland müssen den gebundenen Preis einhalten. Gebrauchte Bücher, gesetzliche Ausnahmen und zulässige Sonderpreise sind gesondert zu prüfen. Hier erfahren Sie, wie Sie Ausgaben, Preisänderungen und Vertriebswege auseinanderhalten.
Redaktion: Rauschwerk-Team · Redaktionell geprüft am
Was das Gesetz verlangt — der Kern in vier Sätzen
§ 5 BuchPrG verpflichtet Verleger und Importeure, für eine Buchausgabe einen Endpreis einschließlich Umsatzsteuer festzusetzen und geeignet zu veröffentlichen. Nach § 3 BuchPrG müssen gewerbs- oder geschäftsmäßige Verkäufe an Letztabnehmer in Deutschland diesen Preis einhalten; gebrauchte Bücher sind ausgenommen. Daneben gibt es gesetzlich geregelte Sonderpreise und Ausnahmen. Prüfen Sie deshalb Ausgabe und Verkaufsfall, bevor Sie einen Preisnachlass anbieten.
Was erlaubt bleibt
Die Preisbindung friert nicht jeden Preis für immer ein — sie verlangt Ordnung, nicht Stillstand:
- Preisänderungen sind zulässig. Du darfst den gebundenen Preis neu festsetzen — er gilt dann wieder überall gleich. Ein dauerhaft neuer Preis ist etwas anderes als ein „Rabatt".
- Verschiedene Ausgaben, verschiedene Preise. Taschenbuch, Hardcover und E-Book sind eigene Ausgaben mit je eigenem gebundenem Preis. Ein günstiges E-Book neben dem teuren Hardcover ist völlig regelkonform.
- Gesetzliche Ausnahmen haben eigene Voraussetzungen. Dazu zählen etwa entsprechend gekennzeichnete Mängelexemplare. Der Verkauf an Autoren für deren Eigenbedarf ist vom Weiterverkauf an Leser zu trennen; die Einzelheiten stehen im folgenden Abschnitt.
Autorenexemplare: Eigenbedarf ist kein Weiterverkauf
Verkauf an Autoren: § 7 Absatz 1 Nr. 2 BuchPrG nimmt den Verkauf an Autoren selbständiger Publikationen eines Verlages für deren Eigenbedarf von der Preisbindung aus. Diese Ausnahme betrifft den Erwerb für den eigenen Bedarf, nicht den Einkauf zum Weiterverkauf an Leser.
Verkauf durch Autoren: Verkaufst du neue, preisgebundene Exemplare gewerbs- oder geschäftsmäßig an Leser in Deutschland, gilt nach § 3 BuchPrG der festgesetzte Endpreis auch bei einer Lesung oder im eigenen Shop. Die Bezeichnung „Autorenexemplar“ und ein günstiger Einkaufspreis schaffen keine pauschale Weiterverkaufsausnahme. Eine andere gesetzliche Ausnahme muss mit ihren eigenen Voraussetzungen vorliegen.
Fiktives Lesungsbeispiel: Der gebundene Endpreis einer neuen Taschenbuchausgabe beträgt 18 Euro. Auch wenn dich ein Exemplar im Einkauf nur 5 Euro gekostet hat, verkaufst du es bei deiner Lesung grundsätzlich für 18 Euro. Der Einkaufspreis erlaubt keinen Lesungsrabatt auf 15 Euro. Der eigene Erwerb und der anschließende Verkauf sind getrennte Vorgänge.
Wo es für KDP-Autoren konkret wird
Fall 1: Nur Amazon. Kontrollieren Sie für die konkrete Ausgabe, welchen Preis Sie eingegeben haben und welchen Endpreis einschließlich Umsatzsteuer Amazon für Deutschland ausweist. Die Beschriftung der Felder ist maßgeblich. Vergleichen Sie keine Nettobasis mit einem Bruttoendpreis. Der Leitfaden zu KDP-Preisänderungen beschreibt den technischen Abgleich.
Fall 2: Amazon plus weitere Kanäle. Führen Sie für jede Ausgabe eine zentrale Preisliste mit dem veröffentlichten Endpreis und seinem Gültigkeitsbeginn. Stimmen Sie Änderungen mit den beteiligten Vertriebswegen ab und berücksichtigen Sie deren Bearbeitungszeiten. Kontrollieren Sie danach die tatsächlichen Angebote. Ein zeitgleicher Klick in zwei Portalen garantiert keine zeitgleiche Umsetzung. Für die Kanalwahl: KDP oder BoD.
Fall 3: Zeitlich begrenzte Aktionen. Eine reguläre Preisänderung und ein individueller Rabatt sind unterschiedliche Vorgänge. Auch ein im Anzeigen- oder Vertriebsportal verfügbares Aktionswerkzeug bestätigt nicht die rechtliche Zulässigkeit für Deutschland. Prüfen Sie das konkrete Angebot, die beteiligten Kanäle und bei KDP Select zusätzlich die Vertragsbindung. Für Gratisaktionen oder andere Sonderfälle lässt sich aus der allgemeinen Preisänderungsmöglichkeit keine pauschale Freigabe ableiten.
Fall 4: Das Ausland. Entscheidend ist der konkrete Verkauf an Letztabnehmer in Deutschland, nicht allein die Domain des Shops. Für Verkäufe in andere Länder sind deren Regeln gesondert zu prüfen. Ein ausländischer Marktplatz oder eine andere Währung beantwortet die Preisbindungsfrage nicht allein.
Warum wir die Bindung nicht als Gegner sehen
Für die Planung hilft eine klare Trennung: Der Endpreis beschreibt das Angebot für die konkrete Ausgabe. Die Tantiemenrechnung zeigt, welcher Betrag nach dem Plattformmodell verbleibt. Ihre Projektkalkulation berücksichtigt zusätzlich eigene Kosten und gegebenenfalls vereinbarte Beteiligungen. Preisbindung ersetzt weder diese Rechnung noch den Zugang zu passenden Lesern.
Du willst das nicht selbst stemmen? Wir bauen Bücher — vom Manuskript bis zum lieferbaren Titel.
Projekt anfragenHäufige Fragen
Darf ich Autorenexemplare bei einer Lesung günstiger verkaufen?
Nicht allein deshalb, weil es Autorenexemplare sind. § 7 Absatz 1 Nr. 2 BuchPrG betrifft den Verkauf an Autoren selbständiger Publikationen eines Verlages für deren Eigenbedarf. Beim gewerbs- oder geschäftsmäßigen Weiterverkauf neuer, preisgebundener Exemplare an Leser in Deutschland gilt grundsätzlich der festgesetzte Endpreis, auch bei Lesungen. Ein günstiger Einkaufspreis ist keine Ausnahme; andere gesetzliche Ausnahmen sind gesondert zu prüfen.
Gilt die Buchpreisbindung wirklich auch für Selfpublisher?
Ja, auch Selbstverleger müssen die für ihre Ausgabe und ihren Verkaufsfall geltenden Pflichten beachten. Eine geringe Betriebsgröße befreit nicht pauschal von der Preisbindung. Preisfestsetzung durch den Verlag und Preiseinhaltung beim Verkauf sind getrennte Aufgaben.
Gilt sie auch für E-Books?
Ja, E-Books sind ausdrücklich einbezogen. Auch dein Kindle-Titel hat einen gebundenen Endpreis, der auf allen Kanälen gleich sein muss, auf denen er deutschen Endkunden angeboten wird.
Darf ich mein Buch zeitweise günstiger anbieten?
Eine Änderung des gebundenen Endpreises ist nach § 5 BuchPrG möglich und muss geeignet veröffentlicht werden. Sie ist von einem individuellen Händlerrabatt zu unterscheiden. Stimmen Sie Gültigkeit und Umsetzung mit den Vertriebswegen ab; Sonderpreise und gesetzliche Ausnahmen brauchen eine eigene Einordnung.
Wie lange gilt die Preisbindung für mein Buch?
Die Bindung endet nicht automatisch nach einer festen Zahl von Monaten. Nach § 8 BuchPrG kann der Verlag sie grundsätzlich durch geeignete Veröffentlichung aufheben, wenn das erste Erscheinen der Ausgabe länger als 18 Monate zurückliegt. Absatz 2 regelt besondere Fälle mit kürzerem Zeitraum. Eine Preisänderung ist davon zu unterscheiden.
Was droht bei Verstößen?
Verstöße können unter anderem Unterlassungsansprüche auslösen. Eine zentrale Preisliste, abgestimmte Änderungen und die Kontrolle der tatsächlichen Angebote helfen, Fehler früh zu erkennen. Sie ersetzen keine rechtliche Prüfung eines strittigen Falls.
Mehr aus diesem Bereich: Impressum im Buch · ISBN für Selfpublisher · Verlag gründen als Selfpublisher · VG Wort für Selfpublisher
